Österreich hat ein eigenes Crowdinvesting - Gesetz

12. Juli 2015 | Finance, News,

Crowdinvesting hat ein eigenes Gesetz bekommen

Die Republik Österreich hat einen sehr wichtigen Schritt für die Crowdfunding- bzw. Crowdinvestingszene umgesetzt: „das Alternativfinanzierungsgesetz“

Das Gesetz wurde am 07.07.2015 vom Nationalrat beschlossen und nun wollen wir uns ansehen wie die Rahmenbedingungen für Investoren und Emittenten (= bei uns Bauherren) aussehen.

Zunächst einmal wenden wir uns den Begriffsdefinitionen des Gesetzes zu, da sie bereits einiges vorab abklären:

Emittenten: natürliche oder juristische Person, die ein Unternehmen betreiben und den Definitionen der Kleinstunternehmen bzw. kleine- und mittlere Unternehmen *) entsprechen (gemäß ABl. Nr. L124/36). Wichtig ist, dass Emittenten das eingesammelte Kapital unmittelbar für die operative Tätigkeit verwenden müssen.

Alternative Finanzinstrumente: Stille Beteiligungen, Genussrechte, Nachrangdarlehen, und weitere die keinen unbedingten Rückzahlungsanspruch (sic!) gewähren dürfen (außer bei Anleihen);

Unbedingter Rückzahlungsanspruch: Anspruch auf Rückzahlung hingegebener Gelder, der ungeachtet der wirtschaftlichen Lage des Emittenten geltend gemacht werden kann;

Anleger: natürliche oder juristische Person, die alternative Finanzinstrumente erwirbt;

Internetplattform: Website, auf der alternative Finanzinstrumente durch den Betreiber einer Internetplattform zwischen Emittenten und Anlegern vermittelt werden, wie es bspw. bei Reval der Fall ist.

Betreiber einer Internetplattform: natürliche oder juristische Person, die zum Betreiben der  Internetplattform berechtigt ist (gewerbliche Vermögensberatung oder Unternehmensberatung). Reval ist als gewerbliche Vermögensberatung hierzu berechtigt.

Dauerhafter Datenträger: jedes Medium, das es Anlegern gestattet, Informationen derart zu speichern, dass sie diese in der Folge für eine für die Zwecke der Informationen angemessene Dauer einsehen können und das die unveränderte Wiedergabe der gespeicherten Informationen ermöglicht. Bei Reval können Sie Ihre Anlegerinformationen jederzeit auf der Plattform einsehen.

Nun haben wir die Begriffsdefinitionen abgeschlossen, jetzt wollen wir uns ansehen was das Gesetz wirklich für Investoren und Bauherren bringt.

Für Investoren:

Jeder Investor ist berechtigt 5.000 EUR pro Jahr zu in Projekte seiner Wahl zu investieren. Dieser Betrag kann erhöht werden, wenn vom Investor eine Selbstauskunft erteilt wird, dass er höchstens das Doppelte seines durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens über zwölf Monate gerechnet investiert oder maximal zehn Prozent seines Finanzanlagevermögens investiert. Aber was bedeutet das jetzt genau?

Wir erläutern es anhand von zwei kleinen Beispielen:

Investor A hat ein durchschnittliches Nettoeinkommen pro Monat von 3.000 per Selbstauskunft bekannt gegeben. Investor A ist nun berechtigt 6.000 EUR pro Jahr zu investieren (2x 3.000 EUR).

Investor B EUR hat ein Finanzanlagevermögen von 150.000 EUR per Selbstauskunft bekannt gegeben. Investor B ist nun berechtigt 15.000 EUR pro Jahr zu investieren (10% von 150.000 EUR).

Gesetzlich wurde nicht geregelt, welche Investitionsgrenze für Investoren bestimmend ist, wenn Sie freiwillig beide Auskünfte erteilen.

Für Emittenten (in unserem Fall Bauherren):

Wenn Bauherren Beträge zwischen 100.000 EUR und 1,5 Millionen EUR von Investoren einsammeln wollen, entstehen besondere Informationspflichten den potentiellen Investoren gegebenüber.

Sie müssen hierbei insbesondere Angaben über sich selbst, das gewählte alternative Finanzierungsinstrument (bei Reval „Nachrangdarlehen“) sowie sonstige Angaben anführen, die dem Schutz der Anleger dienen, zur Verfügung stellen.

Außerdem müssen Emittenten einmal jährlich zum Bilanzstichtag ihren aktuellen Jahresabschluss  auf der Plattform veröffentlichen. Darüber hinaus haben Emittenten einmal jährlich die wesentlichen Änderungen der anzuführenden Angaben zu veröffentlichen (falls sich welche ergeben haben).

Für Beträge unterhalb der 100.000 EUR Grenze sieht das Alternativfinanzierungsgesetz derzeit keine besonderen Vorschriften vor.

Als Plattformbetreiber (Reval) weisen wir unsere Anleger darauf hin, dass im Sinne der Risikostreuung möglichst nur Geldbeträge investiert werden sollen, die Sie in näherer Zukunft auch liquide nicht benötigen bzw. zurückerwartet werden.

Weiters weisen wir darauf hin, dass der Erwerb alternativer Finanzinstrumente zum Verlust des gesamten investierten Kapitals führen kann.